Dienstag, 6. November 2012

Hilfe

Wie beschreibt man dieses Gefühl? Es fühlt sich an, als würde ich innerlich in zwei Hälften gerissen werden. Mir läuft es ständig eiskalt den Rücken hinunter. Die Härchen auf meinen Armen stellen sich auf. Innerlich erfroren. Innerlich leer.
"Ich bin nicht schuld.", wiederhole ich mehrmals. Wie ihr wisst, verwendet mich meine Mutter gerne als Sündenbock für alles. Wie gerne würde ich nicht hinhören - Wie gerne würde ich ihre Worte ignorieren. Leider kann ich nicht. Ich höre jede einzelne Schuldzuweisung. Ich stehe wieder am Anfang. Nichts hat sich geändert. Niemand hört meine Hilferufe. Ich stehe wieder an der Klippe. Die Angst davor runterzufallen, zerfrisst mich innerlich. Ich will nicht, dass es wieder so endet, wie im Februar.
Ich habe das erste Mal das Bedürfnis mich meiner Mutter mitzuteilen. Sie hört nicht hin. Niemand merkt, wie sehr ich wieder an allen Erinnerungen zerbreche.
Ich brauche gerade einfach nur eine Hand, die mich festhält, die mich vor dem Abgrund schützt.

Sonntag, 19. August 2012

Hyperventilieren

Ich will sie nicht enttäuschen. Nicht schon wieder. Ich habe meinen Vater schon zu oft enttäuscht. Nicht auch noch meine Mutter. 
Sie hat mir schon so oft gedroht mich in ein Heim zu stecken. Nie hab ich ihr geglaubt. Bis das Jugendamt kam und mir meine letzte Chance gab. Ein Berufsschuljahr. 
Wenn ich es erfolgreich abschliesse und einen anschliessende Lehrstelle habe, dann ist es geschafft. Falls ich es schaffe. 
Nur weiss ich nicht einmal, wann morgen die Schule anfängt. Halb 8? Halb 7? Welches Klassenzimmer? Was muss ich mitnehmen? Ich weiss es nicht. Ich habe keinen Brief bekommen und auf der Homepage steht nichts. Ich bin hilflos. Anrufen und nachfragen hab ich verpasst.
Ich habe solche Angst. Zum Teufel?! Was würdest du mir raten, Papa? 
Ich denke, dass er mich um 6 Uhr hinfahren und mir helfen würde. 
Ich bin verloren. Scheisse. 

Sincerely, T.

Dienstag, 7. August 2012

Unverständnis

Sie versteht es nicht. Genau, wie die anderen, denen ich versucht habe es zu erklären. 
Meine Mutter kann einfach meinen Gedankengang nicht nachvollziehen. Ich muss etwas sehen, um eine logische Schlussfolgerung zu bilden. Ich kann Dinge nicht in meinem Kopf lösen. Ich muss es vorher aussprechen oder aufschreiben. Genau aus diesem Grund, schreibe ich so viele Texte. Um meinen Gedankengang zu verstehen und mir selbst Fragen zu beantworten. 
Ich habe es ihr gerade wieder einmal erklärt. Eine halbe Stunde Zeit geopfert und ich dachte, dass sie es jetzt endlich nachvollziehen kann - doch nein. 
Ihr Freund ist zur Mittagspause nach Hause gekommen und fand wieder einen Weg, um mich zum schreien wütend zu machen. Ich versuchte, dass vorhin zu erklärte in einen Kurzfassung zu bringen und es ihm zu sagen, doch er blockte ab. 
Da versuchte es meine Mutter. Einen kurzen Moment fühlte ich mich erleichtert über ihre Hilfe, da realisierte ich ihren Tonfall. Diesen Tonfall, der klang, als wäre ich ein 5-jähriges Kind, dass man besänftigen muss, indem man sein Märchen erzählt und es so glücklich macht. 
Meine Hände ballten sich zu Fäusten und meine Gedanken kreisten. Meine Konzentration war bei ihr, ihrem Freund, dem Radio, der Katze und dem Auto draussen zugleich. Trotzdem drängte sich der Schmerz über das eben gehörte in den Vordergrund. Ich blendete den Zeitung lesenden Freund, die fressende Katze, das vorbeifahrende Auto, OneRepublic mit Secrets aus dem Radio und meine Mutter aus und versuchte mich darauf zu konzentrieren nicht gleich davonzulaufen, zu schreien oder zu weinen. Ich weiss nicht, was ich lieber gemacht hätte. 
Ich stand auf und sie sagte: "Halt. Ich erklär's ihm doch nur." Ich riss mich zusammen, drehte mich um und antwortete ihr mit: "Ja, aber nicht dieser Tonfall." 
Mit schnellen Schritten brachte ich Platz zwischen mich und der Küche und rauschte in mein Zimmer. Meine Tränen kamen mir schon vor der Zimmertür. Ich betrat das Zimmer, machte mit peinlicher Sorgsamkeit die Tür zu und liess mich auf das Bett fallen. Ich zog mein Kissen an mich, während meine Tränen, wie ein Wasserfall flossen. 
Dieser Schmerz, als ich merkte, dass sie mich und meine Art ein weiteres Mal nicht verstand. Unbeschreiblich. 
Immer sagt sie, dass meine Schwester halt anders ist, sieht aber nicht, dass auch ich anders bin und denke. Ich bin ja hochbegabt. Ich kann ja denken, wie ein Erwachsener und sehe alles logisch. Ich muss vernünftig sein und wie ein normaler Mensch. 
Doch, mein überdurchschnittlicher IQ macht auch, dass ich Dinge anders sehe. Es gibt aber auch Dinge, die ich nicht verstehe. Manchmal einfach so oder dem Alter abhängig. Niemand kann das nachvollziehen. Man fühlt sich unverstanden. Man fühlt sich allein. 

Sincerely, T.

Freitag, 13. Juli 2012

Broken

Ich versuche überall und in allem das Positive zu sehen, doch irgendwann findet man es nicht mehr. Ich werde geliebt, doch mein Herz, ich weiss nicht wo es ist. Vielleicht tot, vielleicht besitzt es irgendjemand.
Dieser Schmerz, der von der ganzen Trauer kommt, will nicht verschwinden. Die Angst, dass sich nie etwas ändern wird, frisst mich innerlich auf.
Ich gebe Vertrauen und bekomme Hass und Missvertrauen zurück. Es schmerzt. Vor allem aber zerbreche ich. Innerlich.
Viele Teile in mir sind schon tot. Leblos.
Alle stossen mich in die Richtung, dass ich bald keine Gefühle mehr zeige und sie auch nie mehr zulassen werde.
Ich glaube, dass die Welt einfacher zu ertragen ist, wenn man sich verschliesst. Die ganze Sache nimmt mit jeder Träne mehr Gestalt an.

Ich wünsche euch nie so viel Schmerz. Nicht einmal meinem grössten Feind.

Sincerely, T.

Dienstag, 12. Juni 2012

Highway to hell

Ein schriller Schrei. Ich röchle und schlage, schweissgebadet, meine Augen auf. Meine Wangen sind feucht von ganzen Tränen. Ich hieve mich mühsam auf.
„Hallo? Irgendjemand?“, flüstere ich in die Dunkelheit.
Ich drehe mich sachte um meine eigene Achse. Dunkle Schatten, so weit das Auge reicht. Der Horizont gleicht einer Feuerwand. Ich selbst stehe mitten auf einem Highway. Kein Wind weht, kein Geräusch um mich herum. Ich kann nur die Hitze, welche von der Strasse ausgeht sehen.
Ein Blick auf meinen Körper lässt meinen Atem stocken. Mein Körper, der eines kleinen Mädchens. Dieser plötzliche Einfall bewirkt, dass mein Kopf realisiert, dass ich in einem Albtraum bin und nicht aus einem erwacht bin. Ich versuche verzweifelt etwas zu tun, um aufzuwachen oder zumindest meinen Traum abzuschwächen. Nervosität macht sich in mir breit, sobald sich nichts ändert.
Ich will losrennen, doch meine Beine geben nach. Ich stolpere und falle auf den heissen Asphalt. Meine Augen füllen sich mit salzigen Tränen. Ich atme zitternd ein. Die Luft ist üppig.
Plötzlich berührt mich eine grosse Hand an den Schultern. Ich zucke unmerklich zusammen, während mein Blick zum Besitzer der Hand wandert.
„Papa.“, stelle ich leise fest. Ich weiss, dass ich träume und er nicht wirklich vor mir steht. Dennoch springe ich auf, in seine Arme. Mehrere Schluchzer entweichen meinem Mund.
„Du weisst, dass ich nicht wirklich bin. Ich muss gehen, sobald du aufwachst.“
Obwohl es eine Feststellung ist nicke ich. In diesem Moment ist es mir jedoch völlig egal. Ich will diese Minuten geniessen.
„Ich vermisse dich. So sehr. Ich mache so viele Fehler. Allen Menschen bin ich eine Bürde.“, erzähle ich weinend. So viele mehr liegt mir auf dem Herzen. Jeden Tag vermisse ich ihn. Jeden Tag erlebe ich neue Dinge, die ich ihm erzählen will.
„Mein kleiner Schatz. Mache Fehler. Lerne jedoch daraus. Du bist jung. Mach dir nicht so viele Gedanken. Lebe in den Tag hinein. Eine Bürde bist du nur deiner Mutter, aber welches Kind ist das schon nicht? Du wirst deinen Weg gehen. Wohin er auch führt, ich werde immer stolz auf dich sein.“, antwortet mein Vater liebevoll.
Ich schlinge meine Arme noch fester um ihn. Dieser Schmerz, der sich in meinem Körper breit macht ist unerträglich. Er zerreisst mich innerlich.
Jemand zerrt mich weg. Erschrocken halte ich den Atem an, während ich versuche mich aus den Armen des Besitzers zu winden. Ich blicke verzweifelt in die Augen meines Vaters, doch er wird selbst festgehalten.
Ein Revolver wird gezogen. Seine Musterung weist ineinander geschlungene Schlangen. Ich kann den Besitzer der Waffe nicht ausmachen. Er ist in eine dunkle Schattenwolke verpackt. Ein Knall – Mein Vater kippt um. Ein Schrei – Mein eigener. Ich falle ein weiteres Mal auf den, inzwischen kühlen Asphalt. Mein Blick wandert umher. Ich bin allein. Ich schreie schrill weiter. Jede Träne brennt, wie Feuer auf meinen Wangen. Es fühlt sich an, als würde ich innerlich verbrennen.
Tatsächlich züngeln helle Flammen um mich herum. Ich bewege mich nicht, während ich schluchzend zusehe, wie meine Haut verbrennt.
Stumm warte ich, bis ich aufwache und von meinen physisch, wie psychischen Qualen erlöst werde.

Wieso ich diesen Albtraum hatte ist fraglich. Ich dachte, endlich den Kampf gegen sie gewonnen zu haben.

Sincerely, T.